Vieles rutscht in den Herbst: Der aktuelle Überblick aus der ZFK zeigt ziemlich klar: Vor der Sommerpause wird es für die großen Vorhaben eng. Und das ist nicht nur „Politik-News“, sondern hat ganz praktische Folgen für Investitionsentscheidungen, Wärmeplanung und Projektpipelines.
Was gerade besonders auffällt:
1) Kraftwerksstrategie (12 GW Ausschreibungen): Grundsätzliche EU-Einigung steht im Raum, aber ohne offiziellen Entwurf und ohne Anhörung läuft nichts. Es deutet vieles auf eine Verschiebung hin.
2) KWK-Gesetz: Hier hängt viel an der EuGH-Frage zur Genehmigungspflicht der KWK-Förderung. Ergebnis: Rechtsunsicherheit und es wird wahrscheinlicher, dass 2026 keine neuen KWK-Ausschreibungen mehr stattfinden.
3) Netzpaket & EEG: Redispatch-Vorbehalt und PV-Einspeisevergütung sind politisch umkämpft. Ohne Einigung zwischen Ressorts/Koalitionspartnern wird das wohl nichts mehr.
4) Wärmepaket (GEG-Reform, Wärmeplanung, Fernwärme-Regeln): Die selbst gesetzten Deadlines sind gerissen, „Übergangslösungen“ werden wahrscheinlicher. Auch hier: eher Herbst als Frühsommer.
Was heißt das für Stadtwerke, Industrie und Projektverantwortliche?
Planung braucht Szenarien statt „einen“ Fahrplan: Wenn Gesetzgebungstermine rutschen, ist „wir warten auf den finalen Text“ oft die teuerste Option. Besser: 2–3 belastbare Szenarien (optimistisch / realistisch / konservativ) und klare Zeitpunkte setzen.
Förder- und Regulierungsrisiken gehören früher in die Entscheidungsvorlage: Gerade bei KWK und Wärmeprojekten entscheidet Rechts- und Förderlogik mit über Timing, Vertragsgestaltung und Business Case.
Kommunikation wird zum Erfolgsfaktor: Intern (GF, Aufsichtsrat, Fachbereiche) und extern (Kommunen, Kunden, Partner) braucht es jetzt eine klare, ehrliche Linie: Was ist sicher? Was ist wahrscheinlich? Was ist offen? Und was tun wir trotzdem?
Unser Take-away
Der Herbst könnte tatsächlich zum „Reform-Herbst“ werden, aber bis dahin gilt: Handlungsfähigkeit entsteht nicht durch Gewissheit, sondern durch gute Vorbereitung.